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So arbeitet die Gleichgewichtszelle
Die Gleichgewichtszellen arbeiten nach dem gleichen Prinzip wie die Hörzellen.
Auch sie besitzen Fühler (Härchen), welche von der im Inneren des Labyrinths sich befindenden Innenohrflüssigkeit
bewegt werden. Die Bewegungen der Innenohrflüssigkeit im Gleichgewichtsorgan werden dabei von den Bewegungen
des Kopfes bzw. des gesamten Körpers verursacht.
Tangentialbewegungen (Seitwärtsverschiebungen) und Vertikalbewegungen (Auf- und Abbewegungen) werden dabei
besonders in „Bauch“ des Gleichgewichtorgans (der sog. Kapula) wahrgenommen, Kreiselbewegungen mehr in den
Bogengängen des Labyrinths.
Bild 41
Wie bei den Hörzellen ist auch ihre Sinnesarbeit mit energieverbrauchenden (ATP-verbrauchenden) Depolarisations- und
Repolarisationsvorgängen an ihren Zellmembranen verbunden.
Querschnitt durch zwei Gleichgewichtszellen elektr. mikro. Darstellung der Sinnes-härchen (millionenfache
Vergrößerung)
Bild 42 Bild 43
Wie bei den Hörzellen stecken auch ihre Fühler (Härchen) in einer „gallertartigen Zange oder Decke“, welche Teil des
gesamten Schwingsystems des Innenohrorgans ist und mit diesem mitbewegt wird.
Gleichgewichtszellen in einem Bogengang Gleichgewichtszellen in der Kapula
Bild 44 Bild 45
Die Erregung (Depolarisation) der Gleichgewichtszelle wird, wie bei der Hörzelle, durch die Bewegung ihrer Fühler
(Härchen) und einem damit verbundenen Kaliumeinstrom in die Gleichgewichtszelle hinein ausgelöst.
Dies wiederum ist die Folge von Kopf- und Körperbewegungen (=Veränderungen der Schwerkraft), welche sich über das
Flüssigkeitssystem des Innenohrs (=Bewegung der Endolymphe im Endolymphschlauch) hin zu den Fühlern (Härchen)
der Gleichgewichtszelle fortsetzen und diese bewegen.
Ebenso wie bei der Hörzelle ist auch bei der Gleichgewichtszelle nicht die Erregung (Depolarisation) der arbeitsintensive
Prozess, sondern die Wiederherstellung der Ruhe (Repolarisation).
Denn auch die Gleichgewichtszelle muß dafür das bei der Erregung eingeströmte Kalium wieder aktiv in die kaliumreiche
Endolymphe zurückpumpen.
Ebenso wie bei der Hörzelle ist also die Repolarisation der Gleichgewichtszelle (die Wiederherstellung der Ruhe) der
energieaufwendigste Teil der gesamten Sinneswahrnehmung.
Das bei jedem Gleichgewichtsereignis nötige ununterbrochene „Rückpumpen“ von Kalium entgegen der vorliegenden
Konzentrationsgradienten (Konzentrationsunterschieds), also die Erarbeitung von Ruhe, verschlingt sowohl beim
Gleichgewichtsorgan als auch beim Hörorgan ungeheuere Mengen an Zellenergie (ATP). (www.dr-wilden.de)
Ebenso wie bei der Hörzelle ist die dafür nötige Arbeit aufwendiger und energieverbrauchender als es die bloße
Weiterleitung der erarbeiteten Nervenimpulse zu den höheren Gleichgewichtszentren und deren dortige
Weitervernetzung im Gehirn ist.
Allerdings hat die Gleichgewichtszelle gegenüber der Hörzelle einen kleinen Vorteil. Sie ist bei der Verrichtung ihrer
biologischen Arbeit (=Erzeugung von Nervenimpulsen) nicht ganz so heftigen Auf- und Abbewegungen ausgesetzt wie es
die Hörzelle ist, welche auf der ständig auf- und abschwingenden Basilarmembran aufsitzt, und sie muß auch nicht aktiv
die Schwingung einer Membran verstärken.
Dennoch muß sie neben der Erarbeitung der Nervenimpulse auch die mechanischen Belastungen ihrer Fühler (Härchen)
ertragen.
Die Natur hat die Gleichgewichtszellen mit einer hohen Belastbarkeit ausgestattet.
Ebenso wie die Hörzellen sind die Gleichgewichtszellen aufgrund der vielfältigen und anhaltenden Belastungen, denen
die Gleichgewichtszellen ein Leben lang ausgesetzt sind, von der Natur mit einer sehr, sehr hohen biologischen Qualität
(Zähigkeit) ausgestattet (siehe dazu auch www.dr-wilden.de).
Und ebenso wie bei den Hörzellen wird ihnen gerade ihre großartige biologische Qualität zum Verhängnis.
Warum? Weil wir sie, ebenso wie die Hörzellen, trotz ständiger Belastungen nicht wahrnehmen.
Gleichgewicht zu haben, nicht schwindelig zu sein, sich im Raum orientierern zu können, sind für uns, solange wir
gesund sind, Selbstverständlichkeiten.
Wie beim Hören glauben wir auch, daß dieses „von alleine“ geschehe.
Wir ordnen dieser alltäglichen Erfahrung keine Organtätigkeit zu wie wir dies z.B. beim Magen und unserem Darm und
deren offensichtlicher Organtätigkeit oder auch beim Herz oder der Niere oder der Leber sehr wohl tun.
Ja, nicht einmal, dann wenn uns das Gleichgewichtsorgan seine Not zeigt, ordnen wir seine Notsignale ihm selbst zu. Es
ist dann immer zunächst der Blutdruck oder die Halswirbelsäule usw., welche zunächst dafür verantwortlich gemacht
werden.
Aber die ständig zunehmenden allgemeinen zivilisatorischen Belastungen (hohe Geschwindigkeiten, rasche Auf- und
Abwärtsbewegungen, toxische Einflüsse, Lautstärke, usw.), denen die Gleichgewichtsorgane aller Menschen
unausweichlich über viele Jahre und Jahrzehnte hinweg ausgesetzt sind, führen bei allen Menschen, also bei jedem von
uns, zu einer unausweichlich fortschreitenden Erschöpfung des Gleichgewichtorgans.
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